Das Gebäude des Werkplaats Typografie diente ursprünglich als Radio-Distributionsstation. Anknüpfend an diese Vorgeschichte entwickelten Ine Meganck, Valentijn Goethals und Paul Elliman das Phantom Radio, das als fester Bestandteil des Studiengangs jedes Jahr neu auflebt. Marcus Wachter lancierte 2020/21 das Phantom Radio Saturday Matinee 3PM All Ages, bei dem immer zwei Personen einen gemeinsamen Radio-Livestream übernehmen konnten – parallel zu- oder synchron miteinander.
Amira Prescott und mich reizte die Idee, eine Exkursion zu streamen. Wir verabredeten uns für eine Fahrt in die Amsterdamse Waterleidingduinen, ein Naturschutzgebiet unweit von Zandvoort, das die Stadt Amsterdam mit Trinkwasser versorgt. Wir brachten je einen Audiorecorder mit und machten uns auf die Suche nach Klängen. Der Zufall wollte es so, dass wir uns einen wolkenverhangenen, düsteren Tag ausgesucht hatten, an dem ein besonders starker Wind wehte. So wurden praktisch alle Aufnahmen von einem gewaltigen Rauschen übertönt.
Als wir uns wenige Tage später trafen, um die Radiosendung zusammenzustellen, fiel unsere Entscheidung schnell darauf, sie dem Thema Wetter zu widmen – wo es sich in unseren Aufnahmen doch geradezu aufgedrängt hatte. Wir stellten eine Playlist mit Songs zusammen, die für uns die Atmosphäre des Tags in den Waterleidingduinen wiedergab. Die Musik überlagerten wir punktuell mit unseren eigenen Tonaufnahmen sowie Fragementen aus dem BBC Shipping Forecast – einem eigentlich für die Seefahrt bestimmten Wetterbericht, der aufgrund seiner fast poetischen und melodischen Qualitäten Kultstatus bei vielen Brit*innen erreicht hat und manchen sogar als Einschlafhilfe dient.
Die vielen kurzen Videos, die wir den Tag über zusätzlich aufgenommen hatten, schnitt Amira zu einer langen, meditativen Seuqenz zusammen, die unser Bildmaterial immer wieder mit Schaubildern aus O. G. Suttons Buch „Understanding Weather“ zusammen, dem wir auch den Titel für unsere Sendung entnommen hatten: „Feeble Sounds of Low Frequency“.